Südtürkei – Urlaub vom Reisen

Irgendwie konnten wir es nun gar nicht mehr erwarten… seit über fünf Monaten waren wir nicht mehr am Meer (mal abgesehen vom kaspischem Meer und das ist eigentlich ein See- über das Badevergnügen in langärmeliger Kleidung und mit Kopftuch lässt sich sicher auch streiten…) Wir hatten einfach Lust auf das Meer, auf Baden, den Strand und die Sonne. Kurz gesagt: wir wollten Urlaub machen vom Reisen.

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Die tausend Kilometer von der georgischen Grenze hinunter zum Mittelmeer schafften wir in drei Tagen. Das Wetter war wunderbar, wir fuhren durch den kleinen Kaukasus und dann lange durch die zentralanatolische Hochebene, wo es nachts mit um die 3°C schon sehr kalt war. Wir checkten in dieser Zeit oft die Wetter-App: konnte es sein, dass wir wirklich in 200km baden gehen können, wo wir hier am Morgen noch in unseren Daunenjacken bei Raureif frieren? Wir konnten! Nach Durchqueren des Taurus-Gebirges wurde es schlagartig wärmer. Beim Tanken zogen wir unsere Jacken und Pullover aus- es waren 26°C. Erst einmal wuschen wir den Steyr zur Feier des Tages (das zweite Mal auf der der gesamten Reise). Der Urlaub konnte beginnen.

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Wir quälten uns allerdings erst einmal entlang der total verbauten Küstenstraße von Adana Richtung Westen. Es war alles andere als schön und Antonia maulte herum, dass sie jetzt sofort ins Meer wolle. Irgendwann erreichten wir endlich den ausgewählten Campingplatz bei Silifke. Es war nichts los- nur drei türkische Dauercamper verbrachten die letzten Tage der Saison hier. Wir wollten eigentlich nur eine Nacht bleiben und bleiben dann drei. Es gab alles was wir uns wünschten: das Meer war herrlich, es war ruhig und es war ein kleines türkisches Mädchen da mit sehr vielen Filly-Pferden und sehr netten Eltern, so dass Antonia fast mehr Zeit dort verbrachte als am Steyr.

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In Anamur standen wir wieder fast ganz alleine auf einem Campingplatz. Der Besitzer beklagte sich, dass kaum noch Touristen kämen und er nicht wisse, wovon er die Kosten decken solle. Dieses hörten wir fast von allen Türken entlang unser Mittelmeer-Route. Die Touristen blieben aus, was sie entweder auf die Kurden oder auf den Präsidenten schoben. Der Platz war ein Paradies voller Blumen und Palmen direkt am Meer. Irgendwie schade, dass der schon ältere, total nette Besitzer diesen nun wohl bald schließen muss.

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Nach dem missglückten Putsch im Juli und den politischen Ereignissen danach hatten wir uns Gedanken gemacht, ob es sicher genug ist, die Türkei auf unserem Rückweg zu bereisen und vor allem ob wir das wollen. In ein Land zu reisen dessen momentane politische Richtung mehr als einem Anlass zur Sorge gibt. Oder sollte man nicht aus Protest – auch als ein Zeichen der Ablehnung der aktuellen Politik- dieses Land als Urlaubsort meiden?   Damit meinen wir natürlich nicht, dass wir die politischen Systeme in Usbekistan, oder gar im Iran unterstützenswert fänden. Aber da die Entwicklung in der Türkei so aktuell war, dachten wir hier anders drüber nach. Letztlich gab es bei der geplanten Reiseroute keine gute Alternative zur Durchquerung der Türkei und wir bereuen im Nachhinein nicht, dass wir so viel Zeit hier verbracht haben. Die Türken sind unheimlich freundlich, sehr interessiert, extrem kinderfreundlich und waren immer super hilfsbereit, wenn wir ein Problem hatten. Wie so oft während dieser Reise haben wir auch hier die Erfahrung gemacht, dass das System und die Menschen zwei völlig verschiedene Dinge sind.

Wer tingelten weiter die Küste entlang, standen mal tagelang wild total alleine am Strand und hatte in Alanya unseren ersten Kulturschock. Da sind sie ja doch, die Touristen. So viele davon in so einer hässlichen Stadt hatten wir schon lange nicht mehr gesehen. Noch ganz entsetzt von diesem Anblick sahen wir am Strand zwischen zwei Strandbars einen Jeep mit Dachzelt und stellten uns einfach dazu. So verbrachten wir doch noch einen sehr schönen Abend mit Cenk und seiner Frau, viel Raki und gemischt englisch-Hände/Füße Kommunikation. In Side standen wir erst direkt in der Stadt, später noch ein paar Tage am Strand. Hier ließen wir unsere Fahrer und Beifahrersitze neu beziehen. Beim Herumkurven im Sanayi Sitesi (der Handwerks- und Automeile am Rande jeder Stadt) trafen wir auf einen total hilfsbereiten deutschsprechenden Türken, der nach Schilderung des Problems sofort alle Hebel in Bewegung setzte, so dass an der Kurve an der wir standen bald schon der Autosattler auftauchte. Es holte noch die Muster heran und nach 2 Gläsern Tee im Stehen war alles klar. Knapp zwei Tage später waren die Sitze wie neu. Sebastian überlegte schon, was man noch alles ein bisschen aufhübschen und verbessern könnte am Auto….

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Side
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Wir guckten uns zwar auch ein paar der vielen vorhandenen antiken Städte an, z.B. das toll gelegene Thermessos und Myra. Aber eigentlich tingelten wir mehr von Strand zu Strand, von Stadt zu Stadt. Kauften in Antalya einen Teppich (ja ich weiß, wahrscheinlich zu viel bezahlt), saßen in Restaurants und Cafés, badeten viel und genossen es ziel- und planlos zu sein. Soviel Zeit hatten wir vorher uns nie genommen. Jetzt reisten wir wirklich langsam.

 

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Myra
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Thermessos
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Antalya
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Hadrians Tor/ Antalya
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Antalya
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Patara

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In Kas gönnten wir uns für eine Woche ein Apartment. In der Nebensaison nicht viel teurer als der örtliche Campingplatz. Fast 80 Quadratmeter bezogen wir – wir spielten Verstecken in der Wohnung und Antonia wollte zuerst gar nicht in ihrem Zimmer schlafen, weil ihr das zu einsam und gruselig war. Wir genossen den Meerblick vom Balkon und gingen jeden Tag in das kleine Städtchen, saßen in Cafés, kauften Fisch und frisches Gemüse auf dem Wochenmarkt und – langweilten uns nach ein paar Tagen.

 

 

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Kas

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Die Saison war auch hier vorbei, so dass sich als Ausflug nur eine kleine Schiffsfahrt auf die vorgelagerte griechische Insel Kastelorizo anbot. Eine Insel wie aus dem Bilderbuch – praktisch nur aus einem für Touristen herausgeputzten Hafen bestehend. Wir aßen lecker für europäisch viele Euros und verfütterten die Fischreste an die im Hafenbecken neben uns schwimmenden Schildkröten.

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Kastelorizo

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Die letzten Tage verbrachten wir in Fethyie und Ölüdeniz, dem angeblich schönsten Strand an der lykischen Küste. Es war auch wirklich wunderschön, total leer – so dass wir unbehelligt direkt auf der Strandpromenade stehen konnten. Ölüdeniz ist einer der drei Hotspots weltweit für Paraglider, die wir dann auch mehrfach am Tag bestaunen konnten und die nicht weit von uns entfernt auf der Promenade, oder dem Strand landeten. Nachts wurde es jetzt schon deutlich kühler, aber tagsüber schaffte es die Sonne immer noch angenehm warme Temperaturen zu zaubern. Am 19.11. schließlich gingen wir dann das letzte Mal im Mittelmeer schwimmen und machten uns danach schweren Herzens wirklich auf den Heimweg.

 

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Ölüdeniz

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Circa einen Monat hatten wir an der südlichen Mittelmeerküste der Türkei verbracht und die Seele baumeln lassen. Keine ablaufenden Visa, Termine oder Pläne drängten uns. Wir hatten so aber auch viel Zeit darüber nachzudenken, wie es wohl weitergehen solle nach unserer Rückkehr – Wo sollen wir wohnen? – Und wie? – Was ist mit den Jobs? – Behalten wir unseren Steyr? – Gedanklich kamen wir so dem zuhause schon ein bisschen näher. Alles in allem aber der richtige Abschluss für diese Reise – jetzt geht es nach Hause……

(obwohl es auf den letzten 2000km+ doch noch einiges zu erleben gab….)

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