Mongolei – wir sind da!

Endlich da! Die Mongolei war unser östlichstes Reiseland welches wir bereisen wollten. Wir hatten zwischendurch schon daran gezweifelt, ob wir es tatsächlich erreichen würden – nicht aufgrund technischer Probleme, sondern eher wegen der zu fahrenden Strecke. Sollten wir Antonia wirklich zumuten, dass hier nun wirklich der Weg das Ziel war? Tagelanges Offroad fahren- auch wenn durch einmalige Landschaften- ist vielleicht nicht unbedingt das, was sich eine Vierjährige erträumt. Was ist, wenn wir wegen schlechter Strassenverhältnisse gar nicht recht vorwärts kommen und die täglichen Fahrzeiten nochmal deutlich erhöhen müssen? Der Plan war im Westen übers Altai rein und nördlich von Ulan Bator raus- 1600km- einen anderen Grenzübergang gibt es dazwischen für Ausländer nicht. Kommen wir dann nicht auf dem langem Rückweg über Russland in den kalten sibirischen Herbst/Winter? Wollen wir das? Andererseits, die Mongolei war das ferne Ziel unserer Reise und wann kommen wir diesem Land nochmal so nah!

Wir sind so froh, dass wir uns entschieden haben dieses Land zu bereisen. Es ist großartig!

steyr1Die Ausreiseprozedur aus Russland war zügig, die Grenzbeamten der Mongolei waren freundlich und wirkte sehr modern. Nach Erledigung des Papierkrams packten jedoch alle Beamten auf einmal ihre Sachen zusammen und machten gemeinsam eine Stunde Mittagspause. Eine sehr nette Beamte hatte zum Glück etwas Mitleid und blieb ein bisschen länger um unsere Fahrzeuge ebenfalls noch auf dem Papier abzufertigen. Wohl oder übel mussten wir nun an der völlig verwaisten Grenze eine Stunde auf die noch fehlende Fahrzeugkontrolle warten, die dann ca. 3,5 Minuten gedauert hat… Naja, wir haben schon Schlimmeres an den Grenzen erlebt. So kamen auch wir zu einem guten Mittagessen in unseren Fahrzeugen.

Direkt nach der Grenze eröffnet sich eine Landschaft, wie man sie sich in der Mongolei erträumt hatte. Es gibt zunächst keine Asphaltstraßen-  meist zumindest eine erkennbare Hauptpiste (manchmal nicht mal das) mit unzähligen, manchmal 20 Fahrspuren nebenbei, durch eine endlose, zu Beginn bergige Landschaft mit kurzgewachsenem Gras, kleinen Seen, vielen Schafen, Ziegen, Pferden und Yaks unter einem strahlend blauem Himmel. Es kreisen Geier und große Raubvögel. Vereinzelt sieht man eine Jurte oder auch mal mehrere als kleine Ansammlung. Ansonsten ist da gar nichts. Kein Schild, keine Strommasten, kein Haus, kein Mensch, fast kein anderes Auto- einfach nichts. Wenn nicht die Fahrspuren wären, wäre man völlig orientierungslos. So folgten wir am ersten Tag diesen Spuren, die uns tatsächlich ins erste kleine Dorf brachten. Wir fuhren zum Übernachten weiter auf einen kleinen Hügel mit Blick über diese unendlichen Weiten und waren sehr froh hier zu sein. So, genauso hatten wir es uns gewünscht.

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weg2In den folgenden Tage, die wir die Nordroute entlangfuhren, waren wir einfach nur begeistert. Die Pisten über den harten Steppenboden waren toll zu fahren. Manchmal fuhren wir sogar 60-70km/h mit einer riesigen Staubwolke hinter uns her. Stellplätze mit der tollsten Aussicht zu finden ist einfach, man kann sich einfach dort hinstellen, wo es einem am besten gefällt. Selbst für die Mittagspause findet man direkt neben der Piste fantastische Plätze. Das Wetter war super und jeden Abend hatten wir das Gefühl nun einen noch besseren Platz gefunden zu haben, als die Nacht davor. Wir machten Lagerfeuer, kleinere Autoreparaturen, wuschen Wäsche und genossen die Landschaften und vielen Seen.

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sonneuntergang1Die Pisten wurden im Verlauf der Strecke etwas rumpeliger und bei staubtrockenem, mit Schlaglöchern übersätem Boden kamen wir viel langsamer voran. Unsere Durchschnittsgeschwindigkeit lag jetzt bei 15-20km/h.

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Es stehen am Rand der Straße überall kleinere oder grössere Steinhaufen, die mit blauen Bändern geschmückt und allerlei sonstigem Zeug dekoriert sind. Von Kerzen über kleine Plastikfiguren bis zu ganzen Pferdeköpfen findet man alle möglichen Opfergaben. So bitten die Mongolen, um einen sicheren Reiseweg. Außerdem muss man den Ovoo (so heißen die Steinhaufen) dreimal im Uhrzeigersinn umrunden und dabei jeweils einen neuen Stein auf den Haufen legen. Haben wir natürlich gemacht! Außerdem haben wir Gebetstrommeln gedreht und auch sonst alles getan, um sicher über die Rumpelpisten, durch Flüsse und Matschlöcher zu kommen. Hat ja fast geklappt….

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Bei einer Mittagspause in dieser Zeit der Sorglosigkeit entdeckte Sebastian, dass unser Zwischenrahmen vorne an zwei Stellen gebrochen war und der gesamte Container beim nächsten Schlagloch vom LKW zu kippen drohte, wenn sich dies fortsetzt. Natürlich waren wir zu dieser Zeit Irgendwo im Nirgendwo- das ist man in der Mongolei eigentlich immer irgendwie.
Nun – was tun? Als Erstes hieß es erst einmal Schadensbegrenzung vorzunehmen….so wurde der Schelter am Rahmen mit Spanngurten fixiert und nun wirklich jedes Schlagloch möglichst umfahren, was sich nicht gerade als einfach herausstellte.

Nach anstrengender Fahrt erreichten wir am Abend doch wieder schönen Stellplatz und wurden mit einem phänomenalen Abendrot für den harten Tag  belohnt.

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In der Nacht änderte sich das Wetter jedoch grundlegend. Es stellte sich Dauerregen ein, so dass wir nun bei Temperaturen unter fünf Grad und zum Teil sogar Schneeregen das nächste Dorf erreichten.

schneemorgen Tags zuvor war Antonia noch Baden gewesen…kaum vorstellbar. In Tsersteleg, einem kleinen Dorf, mit schlammigen Strassen und zwei Dorfläden, fanden wir mehr zufällig den Dorf-Autoschrauber, der uns – nach kurzer Demonstration des Problems- in seinen Hinterhof lotste. Dieser aus Altmetall und Schlammpfützen bestehende Hof sollte für die nächsten Stunden im kalten Dauerregen unser Aufenthaltsort sein. Nach genauen Anweisungen wo und wie die Verstärkungsbleche, die aus Teilen der Berge von vorhandenem Metallschrott herausgeflext wurden, anzubringen seien, ging die Arbeit gut voran. Zudem konnten wir mit seiner Hilfe eine neue, improvisierte Führung für die Fahrerhausdämpfung bauen, die ebenfalls irgendwo auf dem Weg weggebrochen war. Sebastian wurde mehrfach von hereinschneienden, unterschiedlich betrunkenen Nachbarn davon abgehalten ihm zu helfen.

Nun ja- nach fünf Stunden im Dauerregen waren wir zu einem guten Ergebnis gekommen und konnten das Dorf völlig durchnässt und durchgefroren verlassen. Nun war uns nur noch nach einem guten, warmen Essen und ein bis drei Schnaps.

Der nächste Tag war nach dem anhaltenden Regen eine wahre Offroad Freude….Die größten Schlammpfützen und die schmierige Pisten die man sich nur vorstellen kann- und das den ganzen Tag. Unsere Durchschnittsgeschwindigkeit sank auf unter 10km/h- auch weil man an vielen Stellen erst einmal gut überlegen musste, welche der schlammigen Fahrspuren man am besten auswählt. Gefühlt war die daneben laufende Fahrspur dann sowieso immer die bessere.

matsch3matsch2matsch1Gleich nach einer Stunde Fahrtzeit erreichten wir den ersten liegengebliebenen LKW, der fernab der Pisten versucht hatte einen Weg zu finden. Trotz aller Bemühungen und aller Differentialsperren gelang es nicht, den viel zu schweren LKW aus seiner misslichen Lage zu befreien. Fraglich ist, wie weit er danach eh noch gekommen wäre.

Nach zwei Tagen der Schlammschlacht war der Spuk vorbei. Die Sonne strahlte wieder, es wurde wieder wärmer und die Piste trockener.

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see2So erreichten wir Murun. Gut die Hälfte der Nordroute hatten wir nun schon geschafft. Irgendwie sind die größeren Städte (gemeint sind Städte mit um die 20.000 Einwohnern) in der Mongolei gut verteilt. Man erreicht sie alle paar Tage und kann hier fast alle Lebensmittel einkaufen. Zu unser Überraschung gibt es viele deutsche Produkte von „gut und günstig „, so dass wir 15.000km von zuhause deutsche Leberwurst aus dem Glas gegessen haben- unglaublich gut hat sie uns hier geschmeckt!

jurteNeben diesen großen Supermärkten gibt es in den kleinen Dörfern kleine Läden, die neben Wodka (egal wie klein der Laden, mindestens 2 bis 4 Sorten waren im Angebot), Brot, einige Konserven, teilweise frisches Gemüse (meist nur Kartoffeln, Zwiebeln, Kohl und Karotten), aber auch Schrauben, Haarshampoo, Batterien, Toilettenpapier, Kinderspielzeug und Eiscreme im Angebot haben. Alles auf engstem Raum- diese Läden sind ein Phänomen und man muss sich lange orientieren, bevor man überblickt was es hier so alles gibt…

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Zusätzlich gibt es den größeren Städten Märkte, die meist aus Freiluftständen, aber auch aus Läden in Containern und festen Hallen bestehen. Hier gibt es den ganzen Chinaplastikkram, aber auch einiges Obst, Gemüse, Butter und was die Mongolen sonst noch so aus Stuten-, Ziegen-, Schafs-,Yak- und Kuh-Milch machen (komische säuerliche Kügelchen aus getrockneter und wohl vergorener Milch, leckeres kefirähnliches Getränk und ziemlich geschmacklosen weißen Käse). Und ganz viel Fleisch- das ist Hauptnahrungsmittel.

Die Versorgung mit Trinkwasser stellte sich in der gesamten Mongolei nicht problematisch dar. Entweder aus einer Quelle, einem Fluss, oder aus einer der zahlreichen Trinkwasserversorgungsstelln der Dörfer. Mitunter wartet man hier ein bisschen, bis Dorfbewohner ihre Gefäße gefüllt haben, aber das hatte eher kommunikativen Charakter. Nur einmal wurde hierfür Geld verlangt. Auch Tanken ist kein Problem- es gibt in fast jedem noch so kleinem Dorf eine winzige Tankstelle.

wasserholen1tanken1In Murun wurden also die Vorräte aufgefüllt und wir machten uns auf dem Weg zum Hovsgol- See. Dieser soll ganz besonders schön sein und ein touristisches Highlight der Mongolei. Der Weg zum See von Murun aus- 100km- war ganz frisch wunderschön asphaltiert. Wir hätten vor der Reise niemals gedacht, dass man sich so an einer perfekten Asphaltstraße erfreuen kann. Der See sah toll aus- blau und klar mit grünen Weiden drumherum. Wir wollten ans ruhigere Ostufer. Wir wissen nicht, ob wir durch das Teerstraßenerlebnis verdorben waren, ob ob dieses Piste am Ostufer einfach wirklich die schlimmste Piste der gesamten Landes ist. Sie war buckelig, schlammig, eng und einfach eine Qual zu fahren. Irgendwann hatten wir keine Lust mehr und blieben einfach im Wald stehen- ohne See- nicht mal einen Blick auf den See hatten wir von hier. Dafür einen schönen Wald mit ordentlich Holz für ein Lagerfeuer.

hovsogolseeAb Murun war die Straße bis zur Grenze geteert. Nach anfänglicher Freude darüber, fehlten uns die rumpeligen Pisten irgendwann. Sie gehören zu diesem Land irgendwie dazu und – vielleicht durch das dann gezwungener Maßen langsamere Tempo- genießt und erlebt man die grandiose Landschaft auch auf diesen Pisten anders.

Während der gesamten Zeit haben wir wenig Menschen, aber viele Tiere gesehen (angeblich leben in der Mongolei mehr Pferde als Menschen). Natürlich auch Unmengen von  Ziegen und Schafen- noch nie haben wir so große Herden gesehen. Auch Yaks,  Kühe und Kamele. Alle streifen so durch die Steppe, es gibt ja keine Zäune und manchmal waren wir uns nicht sicher, ob sie nicht ganz wild lebten. Es gibt außerdem sehr viele Raubvögel und Geier.

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 Kurz vor Erdenet trafen wir am Straßenrand Michi und Micha aus München, die mit ihrer Mercedes G-Klasse genau in diesem Moment mit einer Panne liegengeblieben waren. Da kamen wir ja wie gerufen und schleppten die beiden in die Stadt zu einer Werkstatt. Da es so nett mit den Beiden war, beschlossen wir ebenfalls zu bleiben, so dass wir einen gemeinsamen, sehr netten, feuchtfröhlichen Abend am Lagerfeuer verbrachten.

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Am nächsten Tag fuhren wir weiter durch eine nun besiedeltere Landschaft- es gab sogar bestellte Felder und die Dichte der Städte war höher. Es war deutlich weniger spektakulär als zu Beginn der Strecke. Nach wenigen Tagen erreichten wir den Grenzübertritt nach Russland.

Knapp drei Wochen waren wir in der Mongolei- man hätte noch viel länger bleiben können und müssen, wir haben ja nur einen ganz winzigen Teil des Landes gesehen. Aber da schon Mitte September war und wir noch durch Russland wieder gen Westen wollten, hatten wir ein bisschen Sorge, dass es uns im sibirischem Herbst zu kalt würde, oder dass uns im Kaukasus der Schnee überrascht. So sind wir z.b. nicht in Ulan Bator, im Osten des Landes oder in der Wüste Gobi im Süden gewesen- wir müssen also wohl nochmal wieder kommen.

Das Land fanden wir phänomenal. So leer, so wild, so weit-  mit wunderschönen Seen, vielen kleinen Flüssen und einer grandiosen Landschaft…- genauso wie wir es uns gewünscht und vorgestellt haben.

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panoramaEin bisschen schwierig fanden wir den Kontakt zu den Leuten. Zu allererst ist die Sprache wirklich unlernbar. Nach 3 Wochen konnten wir kaum aussprechen, geschweige denn uns merken was „Guten Tag“oder „Danke“ heißt. Obwohl das Land so leer ist, kamen oft doch Leute mit dem Motorrad oder mit dem Pferd zu unseren Stellplätze. Der Kontakt war zum Teil sehr schwierig. Natürlich können die meisten kein Englisch- aber in den anderen Ländern haben wir mit den Leuten dann trotzdem irgendwie kommuniziert. Entweder sie haben einfach in ihrer Landessprache drauflos gequasselt oder alle haben mit Händen und Füßen ein Gespräch versucht. Die Mongolen empfanden wir oft anders. Sie sagten eigentlich gar nichts, wenn sie kamen und setzen sich dann einfach dazu. Wenn sie etwas sagen, dann fragen sie meist direkt nach Wodka oder Zigaretten. Vielleicht waren wir nach diesen ersten Erfahrungen auch eher abweisend- die viel gepriesene mongolische Gastfreundschaft haben wir jedenfalls leider nicht so richtig erlebt. Geschmälert hat dieses den überaus positiven Eindruck dieses Landes für uns jedoch nicht – bei der nächsten Fahrt kann alles anders sein. Antonia hat sich mit der Kommunikation weniger schwer getan…. Auf einem Spielplatz in einem kleinem Dorf haben die größeren Mädchen sie gleich unter ihre Fittiche genommen.

spielplatzWir werden die unglaubliche Weite der Mongolei sicher noch vermissen, wenn uns die europäische Enge irgendwann wieder hat. Aber das ist ja noch lange hin- jetzt freuen wir uns erst mal auf Sibirien.

10 Gedanken zu “Mongolei – wir sind da!

    1. Hallo,
      wir verfolgen Eure Reise mit Spannung wollen wir doch nächstes Jahr ähnliches unternehmen.
      Könnt Ihr näheres zu dem Rahmenbruch und der Fahrerhauslagerung sagen ?
      Wir haben ebenfalls einen Steyr 12m18 mit gleichem Aufbau.
      Vielen Dank im voraus und Grüße aus Kappadokien vom Jumbo Team

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      1. Hi ihr Beiden!
        Sind seit gestern wieder in der Türkei- fahren morgen Richtung Kayseri, sind also gar nicht so weit entfernt! Melde mich, sobald ich besseres Netz habe! P.S. Wir haben uns glaube letztes Jahr in Bad Kissingen kurz getroffen?! War aber mit dem Land Rover da… LG von uns

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  1. Thank you for visiting to Mongolia, very nice report and beautiful pictures. You must have travel other places in Mongolia where you could find more stunning landscape.
    I hope your travel to Siberia will be great.

    Gefällt 1 Person

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