Gedanken zu den „-Stans“

Die „Stan-Länder“- von den 7 die es gibt, haben wir nun 5 bereist, bzw. durchfahren. Afghanistan haben wir nur von Tadschikistan aus gesehen- tagelang sind wir am Grenzfluss Panj entlang gefahren und haben die vereinzelten kleinen Dörfer am anderen Ufer, umrahmt vom Hindukush bestaunt. Die Kinder, die verbotener Weise in ihm gebadet haben, die Esel und Autos, die auf dem gegenüberliegenden schmalen Pfad zu sehen waren. An diesen Tagen haben wir links Tadschikistan und rechts Afghanistan gesehen. Pakistan haben wir nicht gesehen.

Über die befahrenen „Stans“ – Turkmenistan, Usbekistan, Tadschikistan, Kirgistan und Kasachstan wussten wir vor unserer Reise fast nichts. Wie oft haben wir in Lübeck die Zentralasienkarte aufgeklappt, um nochmal und nochmal die Lage der Länder zueinander und wenigstens die Hauptstädte richtig zuordnen zu können. Ashgabat, Tashkent, Dushanbe, Bishkek, Astana- naja vielleicht schonmal gehört… Aber vorstellen konnten wir uns gar nix.

Jetzt liegt alles hinter uns – die Hauptstädte haben wir zwar nicht alle gesehen, aber die Namen sind uns alle vertraut. Vor der Reise dachten wir alle „Stans“- alle ehemaligen Sowjetrepubliken wären irgendwie gleich. Ok, Turkmenistan ist anders – abgeschottet, das Land gibt weniger Touristenvisa aus, als Nordkorea! Wir haben während der Reise viele getroffen, die kein Transitvisum (eine 3-5 tägige Durchfahrtgenehmigung- mehr kann man sich eh nicht erhoffen) -bekommen haben. Gründe für die Ablehnung gibt es keine. Meist waren es Fahrradfahrer, aber auch deutsche LKW-Reisende wie wir, haben- nur eine Woche nach unseren Visaantrag in Teheran-an selber Stelle kein Visum erhalten. Er ist ein Lotteriespiel- wir hatten Glück! Auf Turkmenistan – dieses ungastliche Land hatten wir wenig Lust und auch ein bisschen Sorge vor der Polizei, von der es nur Horrorgeschichten gibt. Wir haben uns das ganze Land zugeknöpft und abweisend vorgestellt. Wir waren ja nur drei Tage da, daher ist es wohl anmaßend, sich hier ein Urteil zu erlauben, aber natürlich besteht das Land nicht nur aus Polizisten. Wir haben viele bunt gekleidete Frauen am Straßenrand gesehen, die uns fröhlich zugewunken haben. Wie eigentlich überall anders auch, nur dass wir hier damit einfach gar nicht gerechnet hatten. Aufgefallen sind uns die in der Sonne glänzenden schneeweißen Prachtbauten in den Städten. Nur Menschen sieht man dort fast gar nicht, die wohnen in den Randbereichen in einfachen Häusern mit Innenhöfen, in denen das Gemüse wächst.

Auch politisch sind natürlich alle ganz und gar nicht gleich. Usbekistan wird seit 1991 mit harter Hand vom Präsidenten Karimov regiert, den man auf Plakaten im ganzen Land sieht. Dargestellt als Herrscher zwischen den Kindern seines Volkes- ein wird wohl auf Lebenszeit Präsident bleiben. Trotz Wahlen hat das bei völligem Fehlen jeglicher Opposition mit Demokratie – wie wir sie kennen- wenig zu tun.

In Kirgistan ist das anders- seit der Unabhängigkeit 1991 sind bereits zwei korrupte Präsidenten zum Abdanken gezwungen worden, was lange Unruhen im Land mit sich zog. Erst seit 2010 ist die Lage stabil und die Demokratie gilt als fortschrittlichste der „Stans“.

Das ist aber nicht für den Touristen unbedingt zu merken. Es gibt überall viel Polizei, alle tragen komische große Mützen und sind meistens nicht gerade freundlich. Es gibt manipulierte Radargeräte und unnötige Auto- oder Pass-Kontrollen- aber auch direkte Forderungen nach „Schmiergeldern“- von uns und von anderen erlebt- in allen „Stans“. Es gibt Unmengen von Geschwindingkeitskontollen- und trotzdem rasen alle. Es gibt unverständliche Geschwindigkeitsbegrenzungen auf 30-50 km/h auf super zweispurigen Straßen und den Hinweis nicht schneller als 90km/h fahren zu dürfen, wo man wegen des Zustandes der Straßen nicht weiß, wer hier schneller als 30km/h fahren könnte ohne einen Achsbruch zu erleiden. Überhaupt die Straßen! Wir konnten uns nur schwer darauf einigen, dass wohl Turkmenistan (trotz 100$ Straßensteuer!!!) und Usbekistan die schlechtesten Straßen haben- vielleicht waren wir danach auch einfach nur daran gewöhnt. Bis auf wenige Teilabschnitte sind die Straßen in den „Stans“ mit Schlaglöchern übersäht und wirklich eine Zumutung- am besten fanden sie in Kirgistan. Die Hauptachse von Osh im Süden bis zur Hauptstadt Bishkek im Norden war nach dem rumpeligen Pamir Highway ein Genuss. Überhaupt hat uns Kirgistan gut gefallen- 70% des Landes liegt auf über 3000m und ist so im Sommer wunderbar kühl. Die Berge, Gebirgsseen und blühenden Hochebenen voller Jurten und Pferde sind eine einmalige Kulisse. Während die Nomaden dort im Sommer unter ganz einfachen und sicherlich harten Bedingungen mit ihrem Vieh und die vielen Imker mit ihren Bienen leben, ist Bishkek eine moderne Stadt mit vielen internationalen Restaurants und stylischen Hotels. Natürlich findet man auch die typischen Prachtbauten und Denkmäler in wunderbar schattigen Parks mit den obligatorischen oft beleuchteten Springbrunnen. Es gibt Shoppingcenter und riesige Supermärkte die alles haben- sogar italienischen Parmesan. Vom Issyk Kul- dem kirgisischem Meer- einem riesigen Hochgebirgssee mit Badetemperatur- umrahmt von schneebedeckten Bergen und mit einsamen Stränden am Südufer wären wir am liebsten gar nicht mehr weggefahren. Kirgistan ist toll!

Tadschikistan hat ebenfalls eine moderne Hauptstadt – die Montag (Duschanbe) heißt und eine Sprache die ganz eng mit dem Persischem verwandt ist- so dass Sebastian gleich mit seinen wenigen im Iran erworbenen Farsi-Kenntnissen auftrumpfen konnte. In der Hauptstadt fielen uns gleich die vielen dicken und aufgemotzten Autos auf (BMW, Mercedes… und immer die beste Ausstattung). Die dicken Karren begleiteten uns durch die restlichen „Stans“, wobei Kasachstan unser persönlicher Spitzenreiter zum Thema Luxusschlitten ist. Ansonsten hat Tadschikistan eben das Pamir Gebirge und damit sicherlich unser persönliches Highlight im Sachen Staunen über die Natur.

Usbekistan ist in unserer Erinnerung vor allem heiß. Es war immer weit über 30 Grad- das Land besteht zu grossen Teilen aus Wüste. Mit Samarkand und Buchara (nein, wir waren leider nicht in Chiwa) hat es sicher die beeindruckendsten Städte. Hier hatten wir am ehesten das Gefühl die alte Seidenstraße zu bereisen. Vor allem in Buchara habe wir uns gefühlt wie in 1001er Nacht.

Begleitet haben uns überall freundliche Menschen, die neugierig waren und oft- nicht ganz so oft wie im Iran- auf uns zugegangen sind und uns immer die Hände schüttelten. Ob im Supermarkt oder in der Polizeikontrolle- es wird sich immer zuerst einmal die Hand gegeben.

In Erinnerung sind uns auch die Berge von Wassermelonen geblieben, die am Straßenrand verkauft werden. LKW Ladungen voll unbeschreiblich leckerer Melonen. Nachdem wir alle einmal wahrscheinlich von einer Wassermelone Durchfall hatten, haben wir uns am Ende nicht mehr getraut welche zu essen. Zu schade!

Wir haben uns in jedem Land eine prepaid-SIM- Karte gekauft. Das war super einfach und total günstig (meist 3-5 GB für 2-5€). So waren wir fast immer erreichbar und hatten außer in den ganz abgelegenen Dörfern und in den Bergen fast immer guten Empfang- manchmal besser als in den abgelegenen Teilen von Schleswig-Holstein. Auch so etwas, das wir gar nicht erwartet hätten. In den großen Städten gibt es in den Restaurants und Cafés oft WLAN und alle haben ein Handy am Ohr- der motorradfahrende Schafhirte in Kirgistan und die Frau im Dorf-Supermarkt in Usbekistan. In den Städten sowieso alle.

Zu Kaufen gab es auch meistens alles, was man so braucht. Auf jeden Fall Milch, Butter, meist sehr leckeres frisches Fladenbrot, irgendein Käse, oft gefrorenes Fleisch (manchmal allerdings nicht zu erkennen von welchem Tier), Nudeln, Sommergemüse wie Tomaten, Gurken, Zucchini…etc. Unsere mitgenommenen 2kg Milchpulver werden wir wohl wieder mit zurücknehmen, es sei denn, es wird an irgendeiner Grenze mal gefunden und als vermeintliches Rauschgift konfisziert. Grundnahrungsmittel kosten fast nichts- ein Kilo Tomaten zum Beispiel zwischen 20-40 Cent. Getrunken haben wir Bier (Sebastian) und Wein (Christina). Es war allerdings eine Herausforderung trockenen Wein zu finden- die Leute in den Stan- Ländern lieben süße Weine.  Wodka gab es natürlich auch, vor allem in Kasachstan sind wir auch danach gefragt worden. Hier werden die Leute irgendwie anders. Sie trinken mehr und sind auch nicht mehr so unvoreingenommen freundlich, sie schenken Einem nicht mehr ihre Früchte, sie wollen meist irgendwas von dir. So war jedenfalls unser Eindruck. Kasachstan ist riesig – allein die Süd- Nord Durchquerung hat fast 10 Tage gedauert (die Ost- West Ausdehnung ist mind. doppelt so groß). Am beeindruckendsten sind neben der Weite der Landschaft – nach Erreichen des Horizontes kommt nochmal das Gleiche mit einem neuem Horizont- die vielen auffälligen, großen Friedhöfe. Mit Almaty hat das Land die für uns modernste Stadt der „Stans“  (ist ja nicht mal die Hauptstadt). Hier gibt es riesige Shoppingmalls, amerikanische Kaffeehausketten, coole Coktailbars und schicke Autos. Die Frauen sehen aus und sind angezogen wie in Europa. Wir hatten dagegen das Gefühl, dass die Kirgisen asiatischer aussehen als die Usbeken und Tadschiken.

Letztlich waren wir fast nur positiv überrascht – es war viel einfacher als gedacht, diese Länder zu bereisen. Die Landschaften und die Städte waren oft einmalig und die Leute fast immer sehr freundlich und hilfsbereit, auch wenn wir uns meist nur mit Händen und Füßen verständigen konnten.

 

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