Kirgistan – Im Land der Jurten und Pferde

Zu beneiden sind die Grenzposten am Kyzyl-Art- Pass auf der tadschikischen Seite wirklich nicht. Es wirkte ein bisschen so wie eine Strafversetzung auf über 4000m Höhe, die Behausungen: einfache Container, die Straßen in keinster Weise als solche erkennbar, Kontrollbuden, in denen auf dem Schreibtisch das Mittagessen auf einem Gaskocher zubereitet wurde. Trotzdem war die Kontrolle freundlich und unerwartet zügig, der Schlagbaum ging prompt auf und wir wurden in das Niemandsland gelassen. Dieses hatte seinen Namen zu Recht verdient, denn die Pisten verliefen genauso schlammig und wüst weiter wie zuvor. Für die knapp 20km bis zum kirgisischen Grenzposten im Tal fühlt sich niemand zuständig. Nach problemloser und schneller Einreise nach Kirgistan änderten sich die Strassenverhältnisse schlagartig – wir freuten uns nach den ganzen Rumpelpisten und Schlaglöchern über eine gut asphaltierte Straße. Wer hätte das gedacht?

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Im Rücken hatten wir das Pamirmassiv, schneebedeckt und gewaltig wirkend und vor uns lag der Beginn des Tien Shan Gebirges, sattgrün, ohne Schnee. Auf dem Weg nach Osh, der über mehrere Pässe führt, sahen wir immer wieder einzelne Jurten, oder Jurtensiedlungen neben den Straßen, sowie ganze Herden von Pferden. Ehrlich gesagt haben wir noch nie so viele Pferde und Reiter auf einem Haufen gesehen. Überall sah man Verkaufsschilder für Stutenmilch und Pferdefleisch und vorm Supermarkt war oft eines angebunden, weil man auch zum einkaufen eben reitet. Cowboyland!! Aufgehalten würden wir auf den guten Straßen nur von etwas Regen und Schnee, die einen Fluss über die Ufer stiegen liessen und eine Straße überschwemmte. Dies führte auch in diesem Land zu einem mittelschweren Verkehrschaos, denn jeder wollte mit seinem Fahrzeug ganz vorne stehen, und natürlich die Räumarbeiten mit schwerem Gerät aus dem nächsten Dorf für die Ewigkeit auf dem Handy festhalten wollte. Nach ca. zwei Stunden Kaffeepause konnten wir nach diesem Spektakel dann unseren Weg fortsetzen.

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In Osh nutzten wir den Stop in Tes Guesthouse zum Einkaufen, Wäschewaschen und zum Bummeln über den dortigen Basar inklusive Halt in einem augenscheinlich sehr gut frequentierten Kantine, wo es Somsa und Mantis mit grünem Tee gab – lecker!!

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Wir trafen einige Reisende im Guesthouse, wo man sich abends gut bei einem Kaltgetränk austauschen konnte. Auch Erling aus Norwegen trafen wir hier erneut, der von Osh nach Hause fliegen wollte. Nach drei Tagen machten wir uns auf nach Bishkek, auch um dort einen Werkstatt zur Reparatur des behelfsmäßig geflickten Kompressor aufzusuchen.

Der Weg über die Berge und eine leider mautpflichtige Straße Richtung Bishkek führte auch an der Toktogul Talsperre vorbei. Dem Stausee, der hier entstand, wurden mehrere Dörfer „geopfert“ und die Anwohner umgesiedelt. Trotzdem ist es hier irgendwie gelungen, den See nicht allzu künstlich aussehen zu lassen. Wir genossen jedenfalls nach den Tagen in den Bergen und der Stadt, dass man ausgiebig im klaren Wasser baden konnte.

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Auch der weitere Weg durch das Land nach Norden war toll. Wir fuhren über riesige Hochebenen, völlig unbewohnt bis auf die weißen Jurten- mal standen diese einsam, nur mit den Pferdeherden drumherum, mal bildeten sich fast kleine Jurtendörfen – dort wurde dann an der Straße wiederum Stutenmilch, frisch und auch getrocknet verkauft.

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Am Ende der Hochebene musste noch ein finsterer, enger Tunnel durchquert werden, bevor man die Berge zunächst langsam verließ.

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antoniaIn Bishkek konnten wir Dank einer Empfehlung von Marianne und Henk eine Werkstatt finden, die sich dem Dichtungsproblem am Steyr annahm. Die Stadt selbst hatte für uns außer Spielplätzen und Restaurants nur wenig zu bieten, vielleicht waren wir die monumentalen Bauten, Denkmäler und Parks auch schon ein wenig satt, bei über dreißig Grad im Schatten.

bishkekAuffallend ist im Verkehr die sehr große Zahl an Rechtslenkern, die günstig aus Japan importiert werden, und die im Gegensatz dazu stehenden, aufgemotzten SUV’s, die hier das Straßenbild prägen. Die Polizeipräsenz ist hoch, auch um die vielleicht nicht immer ganz schlüssig aufgestellten Geschwindigkeitsbegrenzungen durchzusetzen. Wir hatten nur einmal Kontakt mit den Behörden an einem LKW Durchfahrt Verbotsschild in Osh, konnten aber, ohne Strafe zu zahlen, weiterfahren. Andere, die wir getroffen haben, hatten da nicht soviel Glück….

Der Issyk Kul rief und so machten wir uns nach erfolgreicher Reparatur und Hilfe der Crew um Timur auf, um am Abend schon mit Blick auf den See zu stehen. Das Bild, was sich einem hier bietet, ist wiederum einmal mehr unbeschreiblich. Die schiere Größe des Sees ist einfach beeindruckend (über 6000 Quadratkilometer bei einer Tiefe von 702m), umrahmt von schneebedeckten Gebirgsketten ringsherum.

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Das Wasser wirkt mal karibisch einladend, mal wie die Nordsee stürmisch mit Schaumkronen und Gischt.

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Wir mieden bewusst das Nordufer, das touristisch deutlich mehr ausgebaut ist als das Südufer, um dem Trubel dort zu entgehen und tingelten die Küste entlang in Richtung der Stadt Karakol. Das Wasser ist herrlich, wenn auch an manchen Stellen- wenn von den Bergen ein Bach mündet- ganz schön kalt. Die Strände sind einsam und ein Stellplatz zu finden war nie schwer.

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issykkul2Trotz wechselnder Netzqualität gelang es einen Treffpunkt mit Heike und Markus aus Saarbrücken auszumachen, die mit Ihrem MAN auf Reisen sind (siehe auch Begegnungen). Schnell wurde ein gemeinsamer Stellplatz gesucht um sich am Lagerfeuer ein bisschen mehr austauschen zu können. Weil es so nett war, beschlossen wir gemeinsam ein Stück weiterzufahren.

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Kurz vor Karakol trennten sich unsere Wege wieder, da Heike und Markus nach Bishkek fahren wollten. Wir fuhren nach Karakol in den Zoo. Dieser wird vom deutschen NaBu mitbetrieben und ist vielleicht deswegen nicht ganz so traurig, wie man sich einem Zoo in einem derart armen Land vorstellt.

 

Antonia hatte jedenfalls ihren Spaß. Um nicht in der Stadt schlafen zu müssen, fuhren wir auf einen Feldweg außerhalb der Stadtgrenze. Der dortige Bauer, der seine neben unserem Steyr angepflockte Kuh abholte, ließ es sich nicht nehmen uns etwas schenken zu wollen und so gingen Antonia und ich mit ihm in seinen Garten um kiloweise Früchte geschenkt zu bekommen. Seine Kinder brachten uns später etwas frische noch lauwarme Milch von der eben genannten Kuh. Christina schenkte Ihnen Malblock und Zeichenstifte, was ein glückliches Lächeln auf ihre Gesichter zauberte.

Die Menschen in Kirgistan erlebten wir durchweg gastfreundlich und sehr hilfsbereit- sie sehen oft ganz anders aus, als in Tadschikistan – sehr viel mongolischer. Konnte man sich schlecht verständigen (das war eigentlich fast immer der Fall), wurde halt Google translate genutzt oder der eigene Laden kurzerhand geschlossen, und man wurde durch das Dorf begleitet um die benötigten Sachen zu finden. Oder es wurden Tips für die Weiterfahrt gegeben in fließendem Russisch, bei Nichtverständnis wurde die Wegbeschreibung eben noch mindestens dreimal ebenfalls in Russisch und mit etwas energischerer Betonung wiederholt.

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Kirgistan ist toll- und vom Issyk Kul wollten wir gar nicht mehr weg, aber dann machten wir uns doch auf den Weg ins letzte „Stan- Land“. Kasachstan wir kommen……

Ein Gedanke zu “Kirgistan – Im Land der Jurten und Pferde

  1. Juhu hab ich mich wieder doll gefreut über den neuen Bericht von Euch! Es ist ja immer wie Weihnachten Geschenke auspacken, Spannung,Freude, Neugier, Staunen! (ok na gut, und ganz zuerst auch bisschen Erleichterung dass es Euch gut geht). Die Fotos sind megaschön, und ich liebe es wie Ihr schreibt jeder auf seine Art ;-). Allerallerliebste Grüße!

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