Grenzmarathon Turkmenistan/ Usbekistan

Für Turkmenistan hatten wir nur ein 5-Tages Transitvisum beantragt und bekommen. Anderes hatten wir aufgrund der Bedingungen für die Ausstellung von Touristenvisa aber auch nicht gewollt. Die Route, die man durch das Land fahren will, muss bereits vorher festgelegt werden und wird an der Grenze auf einem extra Dokument auch noch einmal aufgezeichnet. Abweichungen von dieser Route sind nicht erlaubt. So hatten wir uns für die kürzeste Strecke durch Turkmenistan (550 km) entschieden, und wollten diese auch schnellstmöglich abfahren. Die Ausreise aus dem Iran stellte sich in Sarakhs schwieriger dar als die Einreise. Der Grenzübergang scheint hier eigentlich nur für kommerziellen LKW Verkehr, denn für Touristen ausgelegt zu sein und so mussten wir uns in die Schlangen einreihen. Erneute Zollkontrollen, gefühlte tausend Beamte für drei Stempel mussten aufgesucht werden, bevor unser Fahrzeug erneut genauestens kontrolliert wurde. Eigentlich sogar gründlicher als bei der Einreise… was uns schon verwunderte. Alles geschah aber mit der iranischen Höflichkeit, die allerdings am Schlagbaum endete.

Turkmenische Beamte und das Militär legten eine eher unfreundlichen, herrischen Ton auf, der einem nicht gerade das Gefühl gab, hier willkommen zu sein. Pässe und Dokumente wurden zig- fach kontrolliert und immer wieder per Hand in Bücher eingetragen, was das Vorgehen auch nicht gerade beschleunigte. Über die veranschlagten Gebühren zu diskutieren, machte kein Sinn und so zahlten wir inklusive der Visa Einige hundert Dollar, damit wir passieren durften. Nach knapp über fünf Stunden hatten wir es dann aber geschafft und wollten eigentlich nur noch schnell durch. Da kannten wir aber die turkmenischen Straßen noch nicht….teilweise war hier das Maximaltempo bei
20 km/h erreicht, da einem ansonsten die Schlaglöcher den Garaus bereitet hätten.

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Um es kurz zu machen – wir fuhren durch Turkmenistan innerhalb von zweieinhalb Tagen und so können wir wenig über das Land sagen. Die Menschen, mit denen wir zum Beispiel an unseren Stellpätzen in Kontakt kamen, waren wiederum sehr freundlich und offen, so dass es uns ungerecht erscheint, nur über die ‚Uniformierten‘ zu berichten. Es bleibt zu wünschen, dass sich dieses Land seitens der Regierung ein wenig mehr dem Tourismus öffnen würde.

Die Ausreise aus Turkmenistan gestaltete sich eigentlich analog der oben beschriebenen Einreiseprozedur, nur eine verlangte Gebühr von 50$ für die Kontrolle unseres Fahrzeuges lehnte ich dann doch vehement ab. Nach überstandener Einreise nach Usbekistan
(insgesamt dann auch wieder fünf Stunden) konnten wir uns dann endlich wieder schöneren Zielen zuwenden und fuhren direkt nach Bukhara. Nach den Strapazen der letzten Tage und der sengenden Hitze checkten wir in ein kleines Boutique Hotel (Komil’s Guesthouse) ein und genossen die Annehmlichkeiten inklusive einer Klimaanlage.

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In Bukhara gab es viel zu entdecken. Jetzt im Hochsommer bei annähernd vierzig Grad staffelten wir unser Ausflüge in die Stadt in einen Vormittags- und einen Frühabendteil, was sich als sehr erholsam herausstellte. Es machte uns großen Spaß, nach der Enthaltsamkeit im Iran, auch einfach mal bei einem Glas gekühltem Wein oder Bier in einem ‚Biergarten‘ am Labi Hauz sitzend ein Päuschen zu machen.

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Bukhara erschien uns wie ein großes Freilichtmuseum, nahezu alle Hauptattraktionen ließen sich in der Altstadt gut zu Fuß erreichen. Verglichen mit dem Iran waren hier gefühlt sehr viele Touristen unterwegs, trotz der seitens der Usbeken immer wieder betonten Nebensaison. Wir trafen Judith und Christoph aus München, mit denen wir einen netten Abend verbrachten.

Nach drei Tagen intensiver Stadterkundung hatten wir Lust weiter in Richtung Samarkand zu fahren. Chiva, das ca 500km weiter westlich von Bukhara liegt, ließen wir wegen der langen Fahrtzeiten aus, nicht zuletzt, um später vielleicht noch einmal wiederzukommen…

Usbekistan ist ein LPG Land. Draußen hat man immer das Gefühl, neben einer geöffneten Gasflasche zu stehen, jedenfalls riecht es überall danach. Nahezu jedes Auto, bis hin zum Omnibus oder LKW ist mit Gas nachgerüstet. Die zum Teil abenteuerlichen Konstruktionen auf dem Autodach, oder im Kofferraum lassen einen manchmal ein wenig schaudern. Einige Tankstellen haben daher auch nur noch Gas und man muss Diesel oder Benzin ein wenig suchen.

Um unsere Vorräte wieder ein wenig aufzufüllen und auch Diesel zu tanken, hielten wir in Navoiy. Als wir an der Tankstelle nach dem Weg zum Basar oder einem Supermarkt fragten, trafen wir Ali, der in Australien studiert hatte und nun im Office der Tankstelle arbeitete. Er liess kurzerhand die anderen Jungs weiterarbeiten, wir stellten unser Auto dort ab und er organisierte ein Taxi, mit dem wir dann zu Einkaufen fuhren. Ein echt netter Kerl, der uns dann sogar noch zum Basar begleitete, da es hier natürlich frischeres Obst und Gemüse gab.

Frisch aufgefüllt steuerten wir den Aydakul See an, ein See, der vor Jahren künstlich entstand, nachdem Staudämme in den Bergen bei drohender Überschwemmung geöffnet wurden. Er hat eine Ausdehnung von ca. 200km bei gerade mal 300 hier ansässigen Familien. So war es einfach, direkt am Strand einen schönen Platz zu finden. Die Temperaturen waren hier zwar nicht anders als in Bukhara, aber mit so einem See vor der Nase hatten wir genug Gelegenheit uns abzukühlen. Wir blieben drei Tagen und machten einem richtigen Badeurlaub. Nicht nur Antonia hat es sehr genossen.

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Samarkand war unser nächstes Ziel in Usbekistan, wieder eine Stadt voll von Sehenswürdigkeiten und Historie. Es ist einfach, sich in der Stadt zu bewegen, es gibt nicht nur Busse – jedes Fahrzeug ist praktisch eine Art Taxi. Sobald man an der Strasse steht, halten immer wieder Autos und man kann für wenige Sum mitfahren. Wir nutzten öfters die Gelegenheit, da die Ziele in Samarkand doch zum Teil weit voneinander entfernt lagen.

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Die Atmosphäre an den alten Plätzen ist überwältigend. Wenn man in den Abendstunden auf dem Registan sitzt, fühlt man sich wirklich wie in einem Märchen aus Tausendundeiner Nacht. Wegen der Hitze suchten wir uns wieder ein Hotel – diesmal sogar mit kleinem Pool, wo wir die heißesten Stunden des Tages verbrachten und uns erst am späten Nachmittag rauswagten.

Wir beschlossen über Denau nach Tadschikistan einzureisen und Tashkent auszulassen, da dies der direktere Weg nach Dushanbe war. Auf mehr oder weniger schlechten Strassen fuhren wir in diese Richtung, nicht ohne immer wieder von der Polizei an den Checkpoints kontrolliert zu werden. Nachts standen wir entweder einsam in ausgetrockneten Flussbetten, oder auch mal auf Feldwegen, bevor wir uns früh morgens aufmachten, die nächste Grenze zu überqueren.

So haben wir in Usbekistan nur 12 Tage verbracht, diese vorwiegend in den Städten oder in der totalen Einsamkeit am See. Es fällt uns daher nicht so leicht ein Fazit für dieses Land zu ziehen. Die Straßen sind wirklich schlecht, auch die Hauptverbindungen zwischen Bukhara und Samarkand. Das Leben ist unglaublich günstig – vorallem wenn man auf dem Schwarzmarkt Dollars tauscht (das Geld bekommt man tütenweise-es ist völlig unverständlich warum es nur 1000 und 5000 Sum-Noten gibt, wenn 1 Dollar 6000 Sum sind).

sum stapel

Es war unbeschreiblich heiß – immer über 35 Grad, was unsere Aktivitäten etwas einschränkte und bei fehlender nächtlicher Abkühlung manchmal echt eine Qual war. wenn wir nochmal wieder kommen, dann sicher zu einer anderen Jahreszeit- im Rahmen unsere jetzigen Reise war es anders nicht möglich.

Die Leuten waren alle freundlich und sehr hilfsbereit, außer vielleicht die immer mürrischen Polizisten. Insgesamt aber zurückhaltender als z.b .im Iran und auch nicht so überschwänglich Antonia gegenüber (was ihr sehr gefiel, auch wenn sie das ein oder andere mal kräftig in die Wange gekniffen und auch mal gedrückt wurde). Die vielen Goldzähne der Usbeken fand sie – wie alles was glitzert und glänzend – faszinierend. Fotografiert wurde Antonia nie- was im Iran noch 2-5 täglich passiert war. Es kamen aber auch manchmal Usbeken ans Auto fragten uns etwas – und waren sichtlich enttäuscht, wenn wir leider kein Russisch und kein Usbekisch konnten. Manchmal standen sie dann noch ein wenig bei uns und beobachteten still unseren Alltag, was sich für uns irgendwie komisch anfühlte. Leider fanden wir außer den wirklich unbeschreiblich hilfsbereiten Ali außerhalb der touristischen Hotspots kaum jemanden der Englisch sprach.

Da wir in Griechenland, der Türkei und im Iran immer mindestens vier Wochen waren, fühlen wir uns in Usbekistan gar nicht richtig angekommen und verlassen das Land schon wieder- aber der Pamir ruft und wir können ja auch nochmal wieder kommen…..

3 Gedanken zu “Grenzmarathon Turkmenistan/ Usbekistan

  1. Ein Teleskop habt Ihr wohl nicht zufällig dabei? Das Photo mit dem Laster und der Milchstrasse ist ja Wahnsinn geworden … Ihr seid sehr present hier: Die Stadtbäckerfrau hat sich gestern nach Christina erkundigt und Sebastian prangt in 5 x 7 m Größe neben der Verbindung von Ratzeburger und Mönkhofer Weg (Stichwort: „wir schaffen das“). VG, Peter

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  2. Hallo ihr 3,
    in unseren Gedanken waren wir in den letzten Monaten immer wieder bei euch, aber erst jetzt kam ich dazu eure letzten Reiseberichte richtig zu würdigen und eure Route auf der Karte zu verfolgen. Das sind wirklich tolle Erlebnisse, um die ich euch beneide. Die Fotos sind sehr eindrucksvoll und beim Betrachten packt einen das Fernweh und die Reiselust. Ich bin gespannt wie es weitergeht und freue mich schon auf die nächsten Fotos (und auf die Diashow nach eurer Rückkehr;-)
    Viel Spaß und eine gute Reise weiterhin, wünschen euch
    Hannes & Annette

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  3. wow! Sebastian, the photos are just fantastic! wish we were with you 😉 and you definitely know that all of us miss you 3 so much. hope to have you here again…very sooooooooon

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