Türkei – Schwarzmeerküste

Wie haben wir uns auf die Schwarzmeerküste gefreut. Ein bisschen naiv vielleicht, da wir zum Einen das dortige Klima nicht so richtig eingeschätzt hatten – nämlich deutlich kühler und feuchter, ganz anders als an der Mittelmeerküste oder im zentralanatolischen Hochland. Zum Anderen war es uns auch nicht richtig klar, was es für die Atmosphäre an der Küste bedeutet, wenn direkt aber wirklich ganz direkt an der Waasergrenze eine vierspurige Autobahnen verläuft. Zum Bau derselben wurden unzählige kleine Buchten zugeschüttet oder zubetoniert. Irgendwie tut es der Stimmung nicht gut. Unsere erste Sation, die wir aussuchten, weil auf einer Landzunge und nicht an der Autobahn gelegen, war die Region um die Stadt Sinop. Es regnete dauerhaft und die Temperatur fiel auf 15 Grad Celsius. Eigentlich Norddeutsches Wetter, aber bis dahin waren wir wirklich von der Sonne verwöhnt worden. Wir fanden trotzdem einen wirklich schönen Platz an einem Strand gelegen, an dem wir zwei Tage blieben. 


Zwischendurch fuhren wir in die Stadt, deren Straßen aufgrund der Hanglage und Baustellen so verschlammt waren, dass in allen Geschäften Pappe auslag. Während unseres Stadtbummels trafen wir den ersten, sich selbst als „Deutschländer“ bezeichnenden Türken, der nach seiner Rente nur noch zeitweise in der Türkei lebt. Die Einladung zum Tee wollten wir natürlich nicht ausschlagen, denn ‚wann treffe man schon auf Touristen aus Deutschland im Winter‘ – das waren tatsächlich seine Worte – und wir hatten Mitte Mai. Viele gute Tips zu Stellplätzen und Sightseeing  bekamen wir immer wieder durch solche kurzen Bekanntschaften von Urlaubern im eigenen Land auf der Fahrt entlang der Küste. In Üniye fanden wir kurz vor der Stadt einen schmalen Strand, der zumindest durch einige Bäume von der Autobahn getrennt war. Der neu erworbene Samovar aus einer kleinen Werkstatt, die wir auf dem Weg fanden, wollte ausprobiert werden. Nach einiger Vorlaufzeit, die gut zum Kleinholz machen genutzt werden könnte, liefert dieser dann Tee für mehrere Stunden – lecker! Ein guter Einstieg und Trainig für den Iran, dass wir uns auf den abendlichen Teegenuss statt üblicher Sundowner umstellten.


So gegen 22 Uhr  – wir saßen längst drinnen wegen der „frischen“ Luft und Antonia schlief – hörten wir ein Fahrzeug direkt neben unserem halten und es hämmerte laut an unserer Tür. Was für ein Schreck. Es war die Gendarmerie, die wohl über ein ungewöhnliches Fahrzeug (Militär?)  am Strand informiert worden war und nach dem Rechten sehen wollte. Glücklicherweise sprach einer der Beiden perfektes Englisch und so war nach einer kurzen Kontolle der Passdokumente eine eher nette und freundliche Atmosphäre entstanden. Beide entschuldigten sich tausendfach für die spätabendliche Störung und wünschten und eine gute Reise. Das war unsere zweite und auch letzte Polizeikontrolle in der Türkei. Vorbeigefahren und Durchgewunken worden sind wir an vielen, vor allem an Stadtein- und Ausfahrten und an Touristenattraktionen. Je weiter wir gen Osten führen, desto schwerer bewaffnet und zum Teil sogar verbarrikadiert waren die Posten- irgendwie bedrückend. Gute Stellplätze zu finden fanden wir teilweise sehr schwierig, vielleicht hätten wir doch einfach in die direkt angrenzenden Berge (pontinisches Gebirge) fahren sollen, die zum Teil schönen Almcharakter hatten. Aber erstens lagen Dunst und dicke Wolken über den Bergen und wir hatten nicht wirklich Lust auf noch mehr Regen und Kälte. Zudem hatte uns jemand davor gewarnt, in dieser Region in die Berge zu fahren, da es dort gerade heftige Auseinandersetzungen zwischen Kurden und Sicherheitskräften gegeben habe. Das Internet könnte hierzu keine weiteren Infos liefern, aber wir haben es trotzdem gelassen.

 

In Trabzon wollten wir dann letztlich „schnell“ unsere Iranvisa abholen – die Referenznummer hatten wir besorgt und die notwendigen drei Werktage abgewartet (solange dauert es wohl, bis die digital übermittelte Referenznummer dann in der Botschaft vorliegt). Nun – soweit die Theorie. Nach einer Nacht auf einem Parkplatz mitten in der Stadt, natürlich neben der Autobahn, machten wir uns früh auf um pünktlich in der Botschaft zu sein. Hier wurde uns eröffnet, dass wir noch weitere drei bis vier Werktage warten müssten, bis die Visa bearbeitet seien…Es war Freitag…Durch die Hilfe einer lieben Kollegin aus Lübeck könnten wir zumindest herausfinden, dass wir die Pässe wieder mitnehmen und die Visa am folgenden Dienstag abholen konnten. Tja, was macht man, wenn kein guter Stellplatz für vier Nächte zu finden ist… Wir fuhren nun doch zumindest für eine Nacht in die Berge zu den Sumela Klöstern, die aber gerade wegen Steinschlag geschlossen waren. So fuhren wir am Samstag zurück nach Trabzon und checkten in einem Appartment ein. Die dortige Hotelcrew um Çagir, der mit einer Kanadierin verheiratet ist, war sehr hilfsbereit. So konnten wir zu einem guten Tarif doch noch sämtliche Wäsche waschen und den Steyr checken lassen, dessen Luftpresser ein wenig Öl verlor. Die nächsten Tage genossen wir dann das Stadtleben, von dem Trabzon doch einiges zu bieten hat, inkl einer Kompletbehandlung bei ‚Mehmet‘, dem türkischen Kuaför. Dienstag Nachmittag konnten wir dann pünktlich zum Dienstschluss (und keine Minute vorher) bei der iranischen Botschaft unsere Visa in Empfang nehmen! Jetzt gab es kein Halten mehr – wir mussten raus aus der Stadt.

In Richtung Dogubayazit zeigte sich Ostanatolien landschaftlich von seiner schönen Seite, leider mit echtem Hamburger Schietwetter. Eine letzte Nacht verbrachten wir dann auf ‚Murat Camping‘, ein Campground, der zwar bekannt bei Iranreisenden ist, aber aktuell mal wieder komplett leer war. Jetzt müssten natürlich noch die letzten Vorbereitungen für die am nächsten Tag anstehende Grenz- und Zollpassage getroffen werden und so plünderten wir unsere doch beachtlichen, letzten Alkohol-Vorräte, während die Dokumente sortiert wurden…

5 Gedanken zu “Türkei – Schwarzmeerküste

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