…ein neuer Kontinent

Am 22. April sind wir über Ipsala in die Türkei weitergereist. Unsere erste richtige Grenzerfahrung auf unserer Reise und so waren wir schon etwas gespannt. Aber wie so oft drehte sich fast alles nur um den Steyr; alle Zöllner kamen angelaufen, stellten Fragen und ein sehr hilfsbereiter türkischer Reisender , der auf seine Abfertigung wartete, dolmetschte in perfektem Bayerisch alle Fragen zur Marke, Fahrwerk, Verbrauch und Herkunft des Autos, so dass der bürokratische Rest Nebensache wurde.
Vor allem auch Antonia fand das Interesse der Zöllner: wie alt, ach wie süß, lass Dich drücken – Antonia wollte das alles nicht so recht, sollte sich aber im Laufe der Tage an diesen Umgang mit ihr gewöhnen. Ganz schnell und unkompliziert waren wir dann in die Türkei eingereist.

Schon in der Mittagspause an irgendeiner Steilküste auf dem Weg, an irgendeinem Feldweg, den wir reingefahren waren, merkten wir die ersten Unterschiede zu Griechenland. Weniger reserviert als die schon sehr kommunikativen Griechen, waren innerhalb von fünf Minuten türkische Angestellte einer nahegelegenen Apartmentanlage da und sprachen uns an. Auf Türkisch natürlich. Das wir das nicht verstehen konnten und sie auch kein Englisch sprachen, störte sie dabei wenig und hielt sie auch nicht davon ab uns weiterhin Fragen zu stellen. Mit Händen und Füße konnten dann einige der Fragen beantwortet werden und uns wurde dann ein Plätzchen zum Picknicken und Ausruhen angeboten. Nett war`s irgendwie.

 

Auf dem Weg entlang der Nordägäischen Küste haben wir in den folgenden Tagen ein bisschen Sightseeing gemacht, Troja, Assos, Ephesus.

Auf dem Weg lag auch noch ein Wochenbasar, den wir unbedingt mitnehmen wollten, auch um eventuell schon einmal entsprechende irantaugliche Kleidung zu suchen. So fuhren wir dann einen Parkplatz suchend auf immer enger werdenden Strassen, oder eher Gassen, weiter dem Verkehr folgend, bis wir plötzlich mitten auf dem Markt standen. Umringt von unzähligen Verkäufern fanden sich natürlich gleich viele Einweiser, auch aus dem gegenüberliegenden, gut besuchten Teehaus. Schnell stellte sich heraus, dass derjenige, der am lautesten schreit, nicht unbedingt der fähigste Einweiser sein musste. Aber mit entsprechender Gelassenheit war dann auch das Wendemanöver in fünfzehn Zügen bald überstanden und wir konnten uns in das Getümmel stürzen. Bei meist Sonnenschein und viel Wind haben wir mal wild und mal auf Campingplätzen gestanden, mal sehr gut mal weniger gut, aber immer ganz oder fast alleine. Es ist zwar auch hier noch Vorsaison, aber wir hörten aus vielen Ecken, dass einfach deutlich weniger ausländische Touristen kommen. Uns störte das weniger, wobei es jetzt nach 7 Wochen schon auffällt, dass wir merklich wenig andere Reisende treffen.

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Für Antonia hätten wir uns ein paar mehr Kontakte, vor allem auf den eigentlich deswegen angesteuerten Campingplätzen gewünscht. Sie ist die Einzige von uns Dreien, die schon mal über Heimweh klagt – sie vermisst ihre Freunde und ihren Kindergarten. Da wäre es bestimmt einfacher für sie, wenn sie auch ab und zu mal auf ein paar Kinder träfe, mit denen sie längere Zeit spielen könnte.
Kurze Kontakt, wie auf den diversen Spielplätzen, die wir besucht haben, reichen da nicht aus. Man merkt aber schon, wie schnell und offen sie auf neue Kinder zugeht und trotz Sprachbarrieren Kontakt aufnimmt. Was aber auch öfters mal zu dem Satz führt: Mama, die/ der sagt überhaupt nix….(weil sie einfach nicht verstehen).
Damit müssen wir dann herhalten und werden als Michels Pferd an die Lounge genommen, oder galoppieren als Einhörner über den wilden Strand. Ihr auf dieser Reise gerecht zu werden ist nicht immer einfach, wobei die längeren Fahrten dank CD- und DVD Player und diversen Büchern das kleinere Übel darstellen.

Die Türken sind kinderverrückt. Antonia wird von Mann und Frau geherzt und geküsst, was sie stoisch hinnimmt, sie aber nicht besonders mag. Besser findet sie da schon die kleinen Geschenke: Früchte, Bonbons, Kekse etc., die sie oft geschenkt bekommt. Ein Tesekkür ederim kommt ihr aber noch nicht über die Lippen, sie hatte sich ja gerade an das Ephkaristo gewöhnt.
Aber auf egal welche Frage, antwortet sie bereitwillig mit ihrem Namen und ihrem Alter…sie schlägt sich wirklich wacker!

Vor der Weiterfahrt nach Kappadokien fiel mir sozusagen beim Frühstück auf, dass uns das Auspuffendrohr wohl einige der bisherigen Pisten übelgenommen haben musste und so begann zunächst die Suche nach einer Schlosserwerkstatt. Empfohlen wurde uns eine Art Industriegelände, auf dem man sämtliche Gewerke in kleinen Schrauberbuden finden konnte. Ein Paradies – für denjenigen, der sich hier verständigen kann! Aber nach kurzer Schilderung und Demonstration war die richtige Werkstatt dank vorauslaufendem Einweiser schnell gefunden. Der Zufall wollte es – eine türkischstämmiger Australier war ebenfalls gerade als Kunde vor Ort und so konnte alles Weitere bei einem Tee und Saft für Antonia innerhalb einer Stunde kreativ erledigt, bzw. sogar verbessert werden und das zu einem für deutsche Verhältnisse unglaublich günstigen Preis.

Beruhigt konnten wir so weiterfahren, zunächst nach Pammukale (trotz Vorsaison sehr gut besucht) und der wirklich unglaublich schönen Region Kappadokien mit dem bis dato schönsten Campingplatz (Kaya Camping). Dank unseres biologischen Weckers Antonia wachten wir hier jeden Tag pünktlich mit der Sonne zum Bestaunen der aufsteigenden Heißluftballons auf. Ein wirklich faszinierender Anblick. Auch der Besuch der Höhlenkirchen und der verschiedenen Felsformationen waren den Besuch in jedem Falle wert. Auch eine Einladung zum selbstgemachten Apfeltee in einem sehr versteckten Tal, wo ein älterer türkischer Herr seinen Garten hatte, konnten wir in keinem Falle ausschlagen. Eine sehr willkommene Pause an einem stillen Ort in unglaublicher Landschaft und in sehr netter Gesellschaft.

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Nach diesen, doch sehr auf Touristen ausgerichteten Orten fiel der Kontrast zum deutlich provinzielleren und ärmeren, restlichen Zentralanatolien deutlich. Vom Ochsenkarren auf der Autobahn bis hin zu den Wochenmärkten wirkte alles urspünglicher, auch auf dem Feld ist hier noch Handarbeit, meist von Frauen in Haremshosen und Kopftuch angesagt.

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Wir werden immer wieder „bestaunt“, nicht zuletzt auch wegen des Wagens, was aber auch immer wieder zu unglaublich herzlichen Kontakten führt und fast immer mit einer Einladung zum Çay einhergeht. Mit Händen und Füßen wird dann gefragt: Woher kommt ihr? Was macht ihr hier? Habt ihr nur eine Tochter? Wie gefällt euch die Türkei?
Unangenehm oder unfreundlich haben wir das eigentlich nie empfunden, vielleicht bis auf eine Begegnung in einem Dörfchen inmitten der Berge, wo sich direkt nach dem Abstellen des Motors eine Menschentraube um uns bildete, und sich die lokale Polizei es sich nun nicht nehmen lassen wollte auch einmal ‚passports please‚ zu sagen. Die sich anschliessende Unterhaltung mit den beiden Polizisten, die irgendwie verzweifelt in den Pässen wühlten, war dann mangels Türkischkenntnissen unsererseits und fehlender Englischkenntnisse andererseits irgendwie dürftig und unfreundlich. Aber es musste doch sehr klar dargelegt werden, zu welchem Zweck man denn (ausgerechnet) in diesem Ort gehalten habe.
Nun ja – das Obst und das Gemüse haben wir dann trotz allem auf dem Wochenmarkt gekauft, fühlten uns aber hier eher wie Sonderlinge.
Ziel unsere Etappe war an diesem Tag Amasya, einer sehr hübschen Stadt am Ufer des Yesilirmak, die wir uns am nächsten Tag noch genauer ansehen wollten. Wir fanden einen Picknickpark oberhalb der Stadt an einem Stausee gelegen, wo der perfekt Spanisch sprechende Restaurantchef uns gegen einen kleinen Obulus übernachten ließ. Zwei Minuten später wurde uns Tee gebracht und der Tag wendete sich zum Positiven.
Eine ganze Schulklasse pubertierender Mädchen samt Lehrerin ’stürmte‘ auf uns und Antonia zu und eine laute Unterhaltung in üblicher Weise begann. Es wurden unzählige Selfies mit uns gemacht und ein Haufen Küsschen an Antonia verteilt. Eine unglaublich herzliche, gastfreundliche, wenn auch chaotisch und laute Stimmung. Zum Abschluß, denn der Reisebus hupte mehrfach zur Abfahrt, erhielten wir tablettweise Kostproben der türkischen Picknickkunst serviert, von denen wir uns zwei Tage ernähren konnten.

Amasya zeigte sich am nächsten Tag ebenfalls von seiner sonnigen Seite und wir nutzten die Gelegenheit zum Städte- und Bazarbummel in den Gassen, bevor wir gegen frühen Nachmittag in Richtung Schwarzmeerküste aufbrachen.

 

2 Gedanken zu “…ein neuer Kontinent

  1. Hallo ihr Lieben,
    wie schön, so einen ausführlichen Bericht von euch zu lesen. So langsam aber sicher unterscheidet es sich dann doch von einem gewöhnlichen Urlaub… -aufregend!
    Sind gespannt auf weitere Nachrichten,
    alles Liebe und viele Grüße😘
    Nina

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